Eine Woche im Ausbilderkorps der RSU Kompanie Oberbayern

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Die Weckfunktion meines iPhones klingelt. Es ist 6 Uhr morgens. Langsam wird mir bewusst, dass ich die komplette nächste Woche keinen Wecker mehr stellen muss: Als Soldat wird man geweckt werden, in diesem Fall  vom UVD (Unteroffizier vom Dienst) der RSU Kp Oberbayern.

Die regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanie Oberbayern (RSU Kp) hat als einzige RSU Einheit eine besondere alpine Befähigung.

Ein wenig Zeit bleibt mir noch. Langsam fließt der heiße Kaffee in die Tasse. In gerade einmal 3 Stunden ist Meldeschluss in der Werdenfels Kaserne in Murnau. Die Anreise erfolgt bereits in Uniform – so steht es auf meinem Zuziehungsbescheid, den ich ein paar Wochen zuvor per Einschreiben erhalten habe. Gestern noch war das BLCKSHEEP Team zu einer Besprechnung bei dem renommierten Waffenhersteller GLOCK in Wien eingeladen. Ich schweife ab. Heute lautet der Auftrag: Bundeswehr.

In der kühlen Morgenluft verstaue ich mein schweres Kitbag und den vollbeladenen Gebirgsjäger Rucksack im Auto. Ein strahlender Sonnenaufgang lässt bereits die Anfahrt durch das wunderschöne Alpenvorland zum Erlebnis werden. In den nächsten Tagen werde ich die Natur sehr intensiv erleben:

Der 1. Tag – Einschleusung und Waffenausbildung

Es war 0900 (sprich: null neun hundert) – Ab sofort war ich also wieder im Dienst. Als Reservist. Was wird mich erwarten? Mit dem Kompaniefeldwebel (Spieß) sowie dem zuständigen RSUFw ging ich die nötigen Papiere durch.

Ein herzlicher Empfang durch die Kompanieführung und dem Ausbilderteam sorgt sofort für gute Laune.

Als erfahrener Offizier wurde ich direkt dem Ausbilderzug – offiziell „Ausbildungs- und Unterstützungszug“ genannt – zugeteilt. Der Zugführer ist Stabsoffizier im Dienstgrad Major. Der Kompaniechef ist ein Oberstleutnant. Hier wird sofort die besondere Stellung dieser ausschließlich mit Reservisten bestückten Kompanie deutlich: Sie besteht aus sehr hochrangigen Dienstgraden.

zerlegtes G36Der erste Tag war in drei Phasen gegliedert und begann mit der Einschleusung. Ein Besuch im SanBereich (Sanitätsbereich) war Teil des Vormittags. Nachmittags lautete der Befehl „Waffen empfangen“ und wir wurden an den Handwaffen der Bundeswehr praktisch fortgebildet. Zur Verfügung standen das Maschinengewehr MG3, das Sturmgewehr G36 und die Pistole P8.

Am Abend stand neben der Einweisung in die Übungswoche ein erstes Highlight, selbst für uns „altgedienten“, auf dem Programm: eine 3-stündige Führerweiterbildung durch einen erfahrenen Taktik-Stabsoffizier zum Thema Führungsphasen und Befehlsstruktur.

 

 

Der 2. Tag – Wach- und Wertungsschießen

„RSU Kompanie – AUFSTEEEEHEEEN!!“ schallt es durch das Kompaniegebäude. Etwas müde sammeln sich die Soldaten nacheinander zum Frühstück in der Truppenküche ein. Die modernen Kaffeevollautomaten sorgen schnell für die nötige Aufmerksamkeit um in die nächste Ausbildungsrunde zu gehen.

Ein Tag auf der Schießbahn – mit vollautomatischen Waffen, die man im zivilen Leben nie zur Hand bekommen wird.

SchießausbildungDie RSU Kompanie hat eine Zertifizierung für Wach- und Sicherungsaufgaben erhalten. Hierfür ist eine fundierte Ausbildung und entsprechende Qualifizierung im Umgang mit den Handwaffen der Bundeswehr nötig.

Der 2. Tag dieser Übungswoche war deshalb dem Thema MG3 und G36 Schulschießen gewidmet. Es konnten die Wertungsübungen für die „Schützenschnur“ geschossen werden. Bei dieser Gelegenheit erfüllte ich an dem Tag meine Wertungsübung für das MG3 und habe damit alle Waffen in der höchsten Stufe „Gold“ erreicht. Dies ist nur eine formale Angelegenheit, denn Offizieren ist das Tragen eine Schützenschnur ohnehin untersagt. Es wird schlicht erwartet, dass sie hier das nötige Ausbildungslevel besitzen.

Leider ist das heutzutage in der Form nicht mehr selbstverständlich, hier sollten sich einige Offiziere ihrer herausragenden Stellung mehr bewusst werden – und sich weiterbilden.

Der 3. Tag – Gebirgsausbildung

RSU Kompanie Oberbayern Gebirgsausbildungberni-augustin23 km Wegstrecke, drei Gipfel und 1000 Höhenmeter im Aufstieg. Der militärische Bergmarsch hatte es in sich. Auf dem Gipelfoto sieht man einen Teil des Ausbilderzuges. Um eine größtmögliche Ausbildungstiefe zu erreichen – und auch die Zugführer zu testen, wurden die Züge einzeln auf den Weg geschickt.

Tatsächlich kam es dabei sogar dazu, dass ein Zug bei Nebel und starkem Regen vom geplanten Weg abkam. Aus Sicherheitsgründen musste der Marsch für diesen Zug abgebrochen werden. Ein Heeresbergführer hatte abends die Führer vor Ort entsprechend instruiert und so konnte die Ausbildung verletzungsfrei durchgeführt werden.

Mit dem Ausbilderzug absolvierten wir die gesamte Route unter 5 Stunden und somit standesgemäß in der kürzesten Zeit. Schwere Beine waren uns damit sicher… Aber so etwas genießt man.

Selbstverständlich kam die Kameradschaft nicht zu kurz und wir kehrten am Gipfel in ein Bergrestaurant ein. Die Sonne kam dann auch noch hervor und bescherte uns eine grandiose Fernsicht.

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Der 4. Tag – Kletterausbildung

RSU Kompanie Oberbayern KletterausbildungAn keinem anderen Tag wurde die Spezialisierung der RSU Kp Obb deutlicher sichtbar als am 4. Tag. Dieser Tag war der Ausbildung am Seil gewidmet. In einer wunderschönen Schlucht bei Mittenwald wurde durch die „Berggeister“, StFW Lautner und Kameraden, sowie unserem Heeresbergführer SU Grunewald ein „Event für Mutige“ angeboten. Nicht allen Kameraden war es sofort geheuer, sich in eine überhängende Felswand abzuseilen.

Die persönliche Sicherheit war stets gewährleistet und so fassten die Kameraden Vertrauen in sich und das Seil. In mehreren Durchgängen und guten Stationen – sogar mit Wasserüberquerung – wurde der Mut und das Durchhaltevermögen gefordert.

Der Umgang mit Steighilfen, Sicherungsgeräten und dem Klettergurt ging im Laufe des Tages wieder ins Blut über. Abends freuten wir uns bei einer Tasse Bier über schwere Arme und berichteten stolz über das Glücksgefühl beim Überwinden der eigenen Angst.

Der 5. Tag – Truppenübungsplatz

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Die Generalprobe für die 36 Stunden Übung steht auf dem Dienstplan. Wecken, Frühstücken und der Waffenempfang. Ab sofort bleibt das G36 inkl. Übungsmunition am Mann und das „Einsatzfeeling“ kommt endgültig durch.

Meine Aufgabe war es an die Spähtrupp Ausbildung zusammen mit einem Hauptmann durchzuführen. Auf dem Bild sieht man eine Gruppe, die sich eben im Debriefung mit ihrem Stabsfeldwebel befindet. Wie wir einen Tag später als Feindkommando noch zu spüren bekamen, war unsere Ausbildung auf fruchtbaren Boden gefallen.

Die Züge formierten sich innerhalb weniger Stunden zu sehr schlagkräftigen Einheiten.

Tagsüber wurden auf dem Truppenübungsplatz Murnau noch die Ausbildungen Streife zu Fuß, sowie Alarmposten, geführter Feuerkampf und Leben im Felde geschult. Im Rahmen der Führerweiterbildung war es für einen Hauptmann und einen Leutnant zur See an der Zeit, sich für den Posten der KpFü (Kompanieführung) einzuarbeiten. Sie sollten noch stark gefordert werden.

Der 6. Tag – 36 Stunden Übung

Einsatzfahrzeuge der Bundeswehr

Sonnenuntergang und Mond auf dem Übungsplatz

Nun war die Lage scharf: Irreguläre Kräfte haben im bayerischen Raum eine Waffengeschäft überfallen und konnten sich mit Waffen und Munition versorgen. Auf der Flucht befindlich, wurden diese bewaffneten Personen nun nördlich Murnau vermutet. Alles war also möglich. Die Herausforderung lag darin, dass wir unsere Lage tatsächlich in Deutschland geübt haben. Ein besonderes Fingerspitzengefühl sowie die enge Kooperation mit der Polizei war gefordert.

Auf dem Video sieht man das Feindkommando wie es eine spezielle Lage einspielt.

Die Idee war, dass sich zwei ausländische Personen beim Transport ihrer gestohlenen Waffen und Munition selbst in die Luft sprengen und dabei verletzen. Durch lautes Schreien (das sollen wohl ausländische Schimpfwörter sein) und entsprechender Akustik und Beleuchtung sollten die Alarmposten auf die Lage aufmerksam werden. Unsere Soldaten hatten nun die Aufgabe, sich den Verletzten zu nähern. Es galt, die Situation aufzuklären, die eigene Position dabei abzusichern und nach der Erstversorgung der Verwundeten, diese an die örtliche Polizei zu übergeben. Ob die einzelnen Gruppen die Lage immer sofort richtig eingeschätzt haben, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

(Das Video beinhaltet taktische Komponenten und ist daher leider nur für Angehörige der Streitkräfte sichtbar.)

RSU Kompanie Oberbayern FeindkommandoAuf dem Bild ist das Feindkommando zu sehen. Neben mir war es mit einem Major d.R. und zwei Hauptleuten d.R. besetzt. Der Major ist Feldjägeroffizier und war maßgeblich für die korrekte Beübung der Truppe zuständig. Insgesamt konnten wir über die gesamte Übung hinweg die unterschiedlichsten Feindlagen darstellen und die übende Truppe auf Trab halten.

Die Nacht wurde während der 36 Stunden Übung im freien Feld bzw. in Üb-Häusern verbracht. Ein gemeinsames Lagerfeuer am Kompaniegefechtsstand ließ die Kameradschaft nicht zu kurz kommen. Wäre da nicht das Feindkommando gewesen. Beim letzten simulierten Angriff gelang es uns, bis an den Platz des Lagerfeuers heranzurücken und konnten zur Freude aller Beteiligten eine paar DM22 werfen… Der zuständige KpChef hatte die Übung „angeblich“ ein paar Minuten zuvor unterbrochen. Das Feindkommando geht nach wir vor von einem triumphalen Sieg aus.

Der 7. Tag – Taktisches Schulschießen

Noch in der Nacht zum 7. Tag verlegten die Züge per Fußmarsch zur Schießbahn, wo die Männer ein deftiges Frühstück erwartete. Es galt nun, das geübte Szenario im echten Schießen umzusetzen. Das Video zeigt einen Spähtrupp in simulierter Stellung, welche teils im geleiteten Feuerkampf auftretenden Feind bekämpfen. Das Schießen war in eine Rahmenlage gebettet, welche ein entsprechendes militärisches Bewegen der Gruppe erforderte. Im Video wird aus zeitlichen Gründen lediglich der selbständige Feuerkampf gezeigt. Jedes Rennen dauerte in Live über eine halbe Stunde.

Mir wurde nach dem jeweiligen Schießen die taktische Nachbesprechung der Gruppe zu teil. Mehrere tausend Schuss später verlegte die gesamte Kompanie im Bus zurück in die Kaserne. Mit einem Kameradschaftsabend im Unteroffiziersheim ließ man den langen Tag ausklingen. Der StFw des UffzHeimes sorgte mit seinem Team für eine hervorragende Verpflegung. Doch bereits ab 21 Uhr verließen die ersten Kameraden den gemeinsamen Abend Richtung Bett… Die 36 Stunden forderten ihren Tribut.

Der 8. Tag – Technischer Dienst und Ausschleusung

RSU Kompanie Oberbayern GebirgsausbildungGut geschlafen, bestens gefrühstückt und mit einer guten Laune versorgt, trat die Kompanie ein letztes Mal im großen Rahmen an. Der offizielle Teil war mit einer Kompanieübergabe, mehreren verdienten Beförderungen und Auszeichnungen gefüllt und wurde im feierlichen Format abgehalten.

Nachdem alle Waffen abgegeben und das Gebäude gereinigt war, bestellte uns der SanBereich noch zur Abschlussuntersuchung ein. Hier ergab sich für mich noch die Gelegenheit fällige Impfungen aufzufrischen

 

Fazit:

Die RSU Kompanie Oberbayern sollte man sich als Reservist merken, denn hier wird professionelle Ausbildung mit gelebter Kameradschaft betrieben.

Ich danke dem Ausbilderkorps für die herzliche Aufnahme in ihren engeren Kreis und freue mich bereits jetzt auf zukünftige Ausbildungen. Interessierte Reservisten können sich über das Landeskommando Bayern bewerben. Alternativ kann man sich direkt beim Kompaniechef der RSU Kp bewerben – seine Kontaktdaten können über BLCKSHEEP erfragt werden. Das Kontaktformular ist auf der Startseite.

Horrido!

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